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Ausstellung / Kulturhistorisch
Sonntag, 07.08.22, 10:00 Uhr

Fernsehgalerie

Am 15. April 1969, 22.40 Uhr, wurde vom Sender Freies Berlin das Programm Land Art bundesweit ausgestrahlt. Die sogenannte Fernsehgalerie, eine Initiative von Gerry Schum (1938–1973), war eine Pioniertat im Massenmedium Fernsehen, heute ist sie legendär. Schum gelang es damals, den Sender für ein ausserordentliches Kunstprojekt zu gewinnen und acht Filme mit Künstlern wie Richard Long, Walter de Maria und Mike Heizer zu realisieren. Allerdings handelt es sich nicht um dokumentarische Filme über Kunst. Es waren vielmehr von den Künstlern selbst konzipierte Werke, die sie zusammen mit Schum und Ursula Wevers im Medium Film realisierten. In der Aufbruchszeit Ende der 1960er Jahre veränderte sich die Kunst radikal, das Verhältnis von Künstler und Institution wurde in Frage gestellt, neue Vermittlungskanäle wurden gesucht. «Die Fernsehgalerie ist mehr oder minder eine geistige Institution, die nur im Augenblick der Ausstrahlung durch das Fernsehen Wirklichkeit wird. Das ist kein Ort, um greifbare Kunstobjekte zu zeigen, die man kaufen und nach Hause tragen kann. Eine unserer Ideen ist die Kommunikation von Kunst anstelle des Besitzes von Kunstobjekten.» (Gerry Schum) Die zweite und letzte Fernsehgalerie unter dem Titel Identifications versammelte Werke von zwanzig Kunstschaffenden; sie wurde am 30. November 1970 spätabends in der ARD ausgestrahlt. Anders als erhofft, erhielt die Fernsehgalerie keinen dauerhaften Programmplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Rückblick verblüffen indes seine visionäre Idee und die hohe Qualität der Werke. Das Kunst Museum Winterthur verfügt dank der Dauerleihgabe aus der Sammlung Agnes und Frits Becht über nahezu den gesamten Bestand von Gerry Schums Videoproduktion. Die Winterthurer Präsentation ist die erste Schweizer Museumsausstellung zu diesem visionären Projekt.

Veranstaltungsort

Kunst Museum Winterthur - Beim Stadthaus
Museumstrasse 52
8400 Winterthur
info@kmw.ch